DIE RÜBENSTEINER
H. Aurich
DIE FAMILIE
Über die Familie der Rübensteiner erfahren wir nicht allzu viel, obwohl wir längere Zeit Gast
auf der Burg sind. Für eine solch wichtige Frage wie die nach der unmittelbaren Verwandtschaft
verstoßen wir kurzzeitig gegen das Prinzip, unsere Information nur aus den Heften 90 bis 151 zu
beziehen.
Den Namen seines jüngeren Bruders Ernst erwähnt Runkel im Palast des Dogen zu Venedig (Heft
90; Band l, l. Heft). Wer das ist, läßt sich nicht feststellen. Offenbar pflegte der Ritter keine engen
Beziehungen zu seinen Geschwistern.
Zieht man den DIGEDAG-KALENDER 1994 (Maiblatt) zu Rate, so können wir zusätzlich
Runkels Schwester, seine beiden jüngeren Brüder sowie eine Großmutter identifizieren. Diese
Verwandten haben keinen erkennbaren Einfluß auf den Gang der Geschichte, so daß sie in der
Erzählung nicht namentlich genannt werden. Nur aus der oben genannten späten Quelle erfährt
der Leser den Verwandtschaftsgrad.
Ihren bedeutendsten Auftritt erlebt die Schwester, als sie das junge Paar Runkel und Adelaide
nach der Hochzeit auf der Burg Rübenstein mit Brot und Salz empfängt. Offenbar ist sie die
Zweitälteste der vier Nach kommen Ritter Kuniberts und seiner Frau. Im Gegensatz zu Mutter und
Großmutter, die zum Zeichen ihrer Vermählung die sogenannte Hülle tragen, hat die junge Frau ihr
Haar nur mit einem Netz bedeckt. Das be deutet, daß sie unverheiratet ist. Die beiden Brüder-
einer davon muß der bereits erwähnte Ernst sein - treten immer nur gaffend auf.
Bei der Großmutter muß offen bleiben, ob es sich um die Mutter von Runkels Mutter handelt, oder
ob es die Witwe des Rübensteiner Großvaters ist. Sie nimmt zwar emotional am Familienleben
teil, aber das handfeste Eingreifen überläßt sie jüngeren Generationen. Da die alte Dame
schwerhörig ist. benutzt sie ein Hörrohr (Heft 149: Band 10, 4. Heft).
Über Runkels Vater ist bereits im Rahmen der Ahnengeschichte berichtet worden. Der alte
Kunibert ist etwas beleibter geworden. Mittags halten er und seine Frau gern ein kleines
Nickerchen (Heft 146; Band 10. l. Heft).
Runkels Mutter ist die gute Seele des Hauses. Sie bringt ihrem Sorgenkind nach seinem
Jagderlebnis mit dem Elch besorgt eine Wärmflasche. nennt ihn liebevoll Heino und gibt ihm für
die Reise die besten Würste und Speckseiten aus der Speisekammer mit (Heft 98; Band 2, l. Heft).
Als ihr Sohn, kaum zurückgekehrt, erneut loszieht, will sie ihm Pfanne Kuchen für unterwegs
backen. Auch einen Schluck Rübenwein bietet sie ihm zur Stärkung an (Heft 146; Band 10, l. Heft).
Es gibt bei ihr oft Tränen. Ein paarmal hat sie Winfried, einen Vorfahr der Rübensteiner, als
Schloßgespenst gesehen (Heft98; Banal, l. Heft). Und sie ist dabei, als ihr Sohn in der Residenz des
Landesfürsten von Herzog Eberhard zum Grafen gekrönt wird. Dabei fließen wieder reichlich
Tränen (Heft 151; Band 10,6. Heft).
Natürlich wird der Ritter Heino Runkel dafür sorgen, daß das Geschlecht der Rübensteiner nicht
ausstirbt. Die richtige Einstellung hat er auf jeden Fall. Kurz vor seinem Abschied von den
Digedags in Ormuz sieht Runkel vor seinem geistigen Auge, wie seine Familie um ihn herum
versammelt ist. Dabei erblicken wir neben seinen Eltern und Adelaide sieben Kinder. Die Jungen
und sogar das Baby tragen schon die für die Rübensteiner typischen Züge (Heft 141; Band 9, 2.
Heft).
Beklagenswert sind die finanziellen Verhältnisse der Rübensteiner. Schon bei der
Morgenlandfahrt wird das Dilemma offenbar. Beim ersten Aufenthalt in Venedig ist das Geld alle,
der Ritter kann nicht einmal die Kaufleute bezahlen, die ihn mit Proviant versorgen (Heft 92; Band
l, 3. Heft). Dennoch spielt die Finanzierung der Reise eine untergeordnete Rolle.
Daheim, auf der Rübensteiner Burg, sieht es nicht rosig aus. Sogar bei den Dorfbewohnern ist
allgemein bekannt, daß ihre Ritter nie Geld haben. Und nicht nur am Kapital mangelt es, auch die
Burg ist verlottert, Wildschweine haben die Felder kahlgefressen, und Raubritter machen die
Gegend unsicher. Aber die Burgkasse ist leer, und dem alten Herrn von Rübenstein sind die
Aufgaben über den Kopf gewachsen. Alle sind sich darin einig, daß trotz der Schwierigkeiten ein
Einschmelzen der goldenen Rüstung nicht in Frage kommt (Heft 147; Band 10, 2. Heft).
So ist es kein Wunder, daß Runkel zum letzten Mittel greift und sich das Geld auf unehrliche Art
und Weise beschaffen will. Wie wir aber wissen, scheitert der angehende Raubritter dank der
Digedags (Heft 148; Band 10,3. Heft).
Nach Runkels mißglücktem Raubritterabenteuer sind die Geldsorgen der Rübensteiner natürlich
nicht
behoben. Die
Rübensteiner
sind
nicht besser dran
als ihre
Bauern, die von
dem
Kuckucksberger
ausgeplündert
werden
(Heft 149; Band
10, 4.
Heft).
Als der
gräfliche Strolch
dann
noch die
Einnahmen aus
den
Rübensteiner
Festspielen
raubt,
ist das Maß
endgültig voll
(Heft
149; Band 10, 4.
Heft).
Um das
Räubernest
auszuräuchern,
ist eine schlagkräftige Truppe erforderlich. Ohne ein Handgeld bekommt man jedoch keine Söldner
(Heft 147; Band 10, 2. Heft). Demzufolge haben die Rübensteiner nur ein Dutzend Kriegsknechte.
Aber mit Hilfe der Bauern wird dem Kuckucksberger schließlich das Handwerk gelegt (Heft 150,
151).