RITTER-RUNKEL-SERIE
l. DIE STELLUNG DER RITTER-RUNKEL-SERIE
Als im Dezember 1955 das erste Heft der
Bilderzeitschrift MOSAIK erschien, war das die
Geburtsstunde der drei Digedags, die in 223 Heften
20 Jahre lang ein abenteuerliches Leben in
verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten
führen sollten.
In phantastischen Szenarien - anfangs im
Morgenland, später in der Südsee und dann im Alten
Rom - konnten die Leser die spannenden Abenteuer
miterleben. Die Nummern 3 und 5 erwiesen sich als
völlige Ausnahmen, sind sie doch die einzigen Hefte
ohne die Digedags als Akteure.
Erschienen die ersten sieben Hefte in
vierteljährlichem Abstand mit 32 Seiten, gab es die
Hefte ab Juli 1957 mit vermindertem Umfang von 24 Seiten, dafür aber monatlich.
Gleichzeitig reduzierte sich der Preis von 95 auf 60 Pfennige.
Während ihrer römischen Abenteuer (Heft 20) verläßtDigedag die Bühne. Er gilt als
verschollen, Dig und Dag bestreiten von nun an ihre Abenteuer ohne ihn. Allerdings
geben sie die Hoffnung nicht
auf, ihn wiederzutreffen.
Mit dem Heft 25 beginnt ein
neuer Abschnitt im Leben
der Digedags: Sie werden
ins Weltall entführt und
erleben dort eine utopische
Welt. Noch sind die
Geschichten in den Heften
weitgehend in sich
abgeschlossen, zwischen
zwei
aufeinanderfolgenden
MOSAIKs gibt es oft so gut
wie keinen Bezug.
Das Heft 62 bringt eine Änderung: Es gibt keine Sprechblasen mehr. Auch das gesprochene Wort wird in
einen Begleittext eingebunden. Mit der Nummer 90 ändert sich das Konzept noch einmal. Fortan wird
eine Geschichte erzählt, die ihr Ende erst nach 62 Heften beziehungsweise nach einem
Erscheinungszeitraum von über fünf Jahren findet. Wir erleben Dig und Dag als Begleiter des Ritters
Runkel im 13. Jahrhundert. Die Ritter-Runkel-Serie ist geboren.
Unter all den Geschichten, die im MOSAIK erzählt werden, ist sie zweifelsohne ein Höhepunkt. Die
Bildergeschichten sind inhaltlich und gestalterisch ausgereift. Das MOSAIK hat einen eigenen Stil, der
aus diesen als Kinderzeitschrift angelegten Bildergeschichten ein bemerkenswertes literarisches und
grafisches Werk macht. Seine Beliebtheit ist mit seiner Qualität und nicht mit der Tatsache zu erklären,
daß es in der DDR fast ohne Konkurrenz war. Es hebt sich weit von der Massenware Comic ab, und es
hat neben den großen internationalen Comics Bestand.
Die phantasievolle Handlung weist konkrete historische und geographische Bezüge auf, Details sind
liebevoll und anspielungsreich herausgearbeitet, die Figuren sind charakteristisch, sind nicht lediglich
aufAktionen festgelegt, beweisen Witz und Verstand. Zu solchen geistvollen Details gehören
beispielsweise die Alliterationen im Namen der Hauptfiguren. Das doppelte D der Digedags wird noch
übertroffen durch das dreifache R des Ritters Runkel von Rübenstein. Die Runkel, nach dem Kraut das
deutscheste aller landwirtschaftlichen Produkte, wird zum Symbol einer Adelsfamilie.
Erzählt wird die Geschichte des deutschen Ritters Heino Runkel von Rübenstein aus dem 13.
Jahrhundert, der auf den Spuren seiner Vorfahren ins Morgenland zieht. Dort will er,
begleitet von seinen Knappen Dig und Dag, den Schatz finden und nach Hause bringen, den
sein Vater einst auf der Flucht vor den Türken zurücklassen mußte. Dig und Dag sind wenig
begeistert von ihrer Rolle als Gefolgsleute des Prahlhanses Runkel, dem sie mehr als einmal
aus der Patsche helfen müssen. Um so mehr freut es sie, daß sie bald auf die Spuren ihres
Gefährten Digedag stoßen, von dem sie sich vor langer Zeit trennen mußten. Ihn zu finden
haben sie sich vorgenommen, immer wieder kommen neue Abenteuer mit dem Ritter
dazwischen...
Innerhalb dieser Geschichte erzählen die Digedags mehrere Episoden aus ihrem früheren Leben. Anlaß
dazu finden sie im laufenden Gesche hen, aber der Bezug ist nur mittelbar. Die Episoden führen den Leser
über jeweils ein bis zwei Hefte in das Alte Rom, in die Berge Kurdistans, in die Zeit Alexanders des
Großen.
Nach 121 Heften treffen Dig und Dag wieder auf ihren alten Weggefährten Digedag, mit
dem sie von nun an vereint sind. Es ist offensichtlich, daß der große Bogen der Geschichte
feststand, wie man den Ankündigungen auf der letzten Seite
der Nummer 89
entnehmen kann. Die Planungen
wurden
über einen
Zeitraum von fünf
Jahren realisiert.
Es sind nur zwei
Korrekturen
erkennbar. Zum
einen die
Wiedereinführung
von Digedag,
die zwischen den
Heften 89
und 98 passiert,
als »Dig und
Dag« aus
dem Titel auf
Seite 2
verschwinden,
beziehungsweise als sie im Heft 99
auf die erste
Spur Digedags stoßen. Die zweite Wendung geschieht
zwischen den Heften 141 und 144. Als sich die vereinigten Digedags von Runkel verabschieden,
sieht es noch so aus, als würden sie nach China ziehen. Überraschenderweise treffen die drei
den Ritter aber bald wieder und beschließen, ihn nach Hause zu begleiten. So kann der Leser
miterleben, wie es dem Rübensteiner bei seiner Rückkehr ergeht.