RITTER-RUNKEL-SERIE
Im Folgenden lade ich die Leser auf der Seite ein, den Ritter Runkel von Rübenstein und seine Knappen auf ihrer
Morgenlandreise zu begleiten. Die Erlebnisse der Digedags und all der anderen Figuren sind Grundlage der Betrachtung,
die Handlung und mit ihr in Zusammenhang stehende Fragen werden aus sich selbst heraus erklärt, so, als würde über
tatsächliche historische Ereignisse berichtet.
Die Entstehung eines Mythos
Der Dezember 2005 wird momentan häufig als Geburtstag der Digedags und der Abrafaxe postuliert.
Für die
Digedags mag das ja stimmen, denn sie erschienen nachweislich erstmalig mit dem Mosaik Nr. 1, das am 23.12.1955 die Auslagen des
Zeitschriftenhandels zierte. Nicht viel später lag es eine Ebene tiefer.
Das
erste Heft mit den Abrafaxen war allerdings erst Ende Januar 1976 für die gierenden Leser körperlich verfügbar. Somit sollte doch der Januar als
Geburtsmonat der Abrafaxe gelten.
Angedroht hat man beide Publikationen aber schon vor ihren ersten Heften.
Lust
auf die Digedags wurde vermutlich schon Mitte September 1955 geweckt, und zwar im "Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" Nr. 38. Auch
"Abenteuer aus aller Welt", "Das neue Abenteuer" und die "BZ" brachten - zum Teil mehrmals - Ankündigungen des baldigen Erscheinens der drei
Kobolde.
Pränatale Werbung für die Abrafaxe gab es auf den Rückseiten der Mosaiks 228 und 229 (Nachdrucke der Nummern 94 und 95), die im
November bzw. Dezember 1975 erschienen sowie in den Atze-Heften 10 und 11 von 1975.
Es wäre albern, Digedags und Abrafaxe nicht in einem Kontext zu betrachten. Als alter Sack fühlt man sich natürlich mit den Digedags
weitaus enger verstrickt als mit den Abrafaxen. Und dann gibt es auch Extrem-Digedonier, die die Abrafaxe gänzlich ablehnen. Für mich
jedoch ist der Oberbegriff "Mosaik" der vereinigende Aspekt. Und ohne die Digedags hätte es höchstwahrscheinlich auch die Abrafaxe
nicht
gegeben. Demzufolge haben wir dem "Urvater des Mosaik" Hannes Hegen zu verdanken, dass es die Digedags UND die Abrafaxe gibt.
Etwas
paradox ist allerdings der Umstand, dass Hannes Hegen zwar die Abrafaxe nicht zu mögen schien und sie bekämpft hat, aber somit trotzdem für
deren
Existenz
verantwortlich ist. Demzufolge ist er sogar der virtuelle Großvater der Abrafaxe.
l. DIE REISEROUTE DER MORGENLANDFAHRER
Ausgangspunkt der Reise des Ritters Heino Runkel von Rübenstein in den Orient, auf der ihn die Digedags begleiten, ist Burg Rübenstein (Heft 98; ). Sie steht in Deutschland, im fränkischen Raum.
Beritten begeben sie sich auf ihren Zug ins Morgenland, der Ritter auf seinem Pferd Türkenschreck und Dig und Dag auf ihren Eseln; ihr Ziel ist eine Burg im Lande der Osmanen, die ein Vorfahr des
Ritters erbaut hat und in deren Nähe der alte Herr von Rübenstein eine Kasse als Kriegsbeute vergraben haben soll (Heft 98; )
Die Reisenden überqueren die Alpen {Heft 90; ) und ziehen, wenn der Ritter tatsächlich einem väterlichen Hinweis folgt, durch Innsbruck und »auf der ersten Straße rechts ... zum Brenner hinauf«
(Heft 98; ). Wir begegnen dem Ritter mit seinen beiden Knappen Dig und Dag jedoch erst wieder, als sie auf dem Markusplatz in Venedig eintreffen (Heft 90;). Der Rübensteiner liegt mit dem
venezianischen Edelmann Cavaliere di Carotti von Anfang an in Fehde. Auf dessen Betreiben werden die Reisenden zweimal gewaltsam aus der Stadt entfernt.
Von den genuesischen Spionen aus Venedig entführt, gelangen sie nach Genua (Heft 93; ). Sie müssen sich zu dritt mit einem Pferd begnügen. Da der Rübensteiner die Möglichkeiten als neues
Stadtoberhaupt von Genua nicht nutzen kann, jagt man die drei aus der Stadt (siehe Vorsatz).
Als Gefangene werden Runkel und die Digedags auf das genuesische Schiff des Patronus Conte di Marinadi gebracht (Heft 94; ). Das läuft in Richtung Korsika aus, wird aber wenige Meilen vor
Genua vom Sperrgürtel der pisanischen Flotte angegriffen und versenkt. In der Gewalt der Pisaner, unter Führung ihres Admirals Totalo Flauti, sollen die drei von Kapitän Fiasco in die Stadt des
Schiefen Turms verschifft und dort eingekerkert werden. Aber in der Nähe des Dorfes Villamare an der ligurischen Küste gelingt ihnen die Flucht (Heft 95; ). Da sie schon nach kurzer Zeit aus
pisanischer Ge fangenschaft entfliehen, ist anzunehmen, daß sich das Schiff des Kapitäns Fiasco noch nicht weit von der pisanischen Flotte vor Genua entfernt hat und demzufolge das Küstendorf
Villamare in der Nähe von Genua liegt.
Ihre Freunde aus dem Fischerdorf wollen sie mit dem Fuhrwerk zurück nach Venedig bringen. Nach der Durchquerung des Gebietes von Piacehza werden die Reisenden an der Grenze aufgehalten
(Heft 99; ). »Hier, in der Nähe des Flusses Taro, beginnen auch die Sumpfgegenden der Poebene.« Und hier befinden sich das alte und das neue Castra Monticuli (Heft 99; , Heft 101; ). Nachdem Dig
und Dag in der Ruinenstadt die erste Spur von Digedag gefunden haben, setzen sie ihre Reise in Richtung Venedig fort. Es ist davon auszugehen, daß dies mit dem Pferdewagen von Paolo'und Pietro
geschieht, denn unmittelbar vor ihrem unfreiwilligen Aufenthalt besprechen sie die weitere Route: »... Jetzt kommt Parma, dann Cremona, Mantua, Verona ...« (Heft 99; ).
Dem Ritter und seinen beiden Knappen begegnen wir erneut, als sie sich mit einem Fischerboot Venedig nähern (Heft 102; ). Bald tritt der alte Widersacher di Carotti auf den Plan, der wieder für den
unfreiwilligen Abgang der drei aus der Lagunenstadt sorgt. Mit der »Mirabella« - einem Schiff des venezianischen Handelshauses Polo unter der Führung des Kapitäns Matto Briso - setzen Runkel
und die Digedags ihre Reise durch die Adria fort. Das eigentliche Ziel des Seglers ist Konstantinopel (Heft 103; ), aber die hinterlistigen Teufelsbrüder machen den Morgenlandfahrern einen Strich
durch die Rechnung.