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«Juni»
Der Gemahlin des Jupiters, der obersten römischen Göttin und Göttermutter Juno, verdankt der Monat Juni (lat. Junius) seinen Namen. Der deutsche Name „Brachmonat", auch „Brächet" oder „Brachot", deutet darauf hin, daß in diesem Monat die im System der Dreifelderwirtschaft jeweils brachgelegenen Felder „besömmert", das heißt mit Brachfrüchten (Hackfrüchte, Futterpflanzen) erneut bebaut wurden. Daruberhinaus war auch der Name „Linding" (lind - mild) als deutscher Name des Monats gebräuchlich. Der Juni ist nicht so unschuldig wie er sich ansieht. Dazu wird nicht umsonst festgestellt: Auf den Juni kommt's viel an, ob die Ernte soll hestah 'n. Wie sollte er aber möglichst sein, der Juni? Wie nachstehende Regeln zeigen, wird sowohl ein kühler und trockener, als auch ein feuchter und ^ warmer Juni gute Ernteaussichten nicht verbauen, wobei allerdings der Winzer ersteres bevorzugt: Im Brachmonat kühl und trocken, da gibt's was in die Milch zu brocken. Juni feucht und warm, macht den Bauer nicht arm. Juniregen ist Gottessegen; Sonnenschein daneben, kann Bauer und Städter leben. Trocken und warm, macht den Wein nicht arm. Juni trocken mehr als naß, füllt mit gutem Wein das Faß. Was in diesem Lied von Johann Hermann Schein (1586 - 1630) als Attribut, als Randbemerkung auftaucht, von den anderen Liederdichtern aber völlig ignoriert wird, ist doch eine sehr typische und wichtige Eigenschaft des Monats, der auch seitens der Bauernregeln wesentliche Bedeutung für Gedeih' und Wachstum der Feld- und Gartenfrüchte beigemessen wird: In besonderem Maße werden Gewitter geschätzt. Verbindet sich doch mit ihrem Auftreten sowohl Wärme, als auch wachstumsfördernder Regen: Im Juni ein Gewitterschauer, macht das Herz gar froh dem Bauer. Viel Donner im Juni bringt ein fruchtbares Jahr. Gibt's im Juni Donnerwetter, wird auch das Getreide fetter. Donnert's im Juni, so gerät das Korn wohl. Bläst der Juni in's Donnerhorn, bläst er in's Land das liebe Korn. Was es in die Rosen regnet, wird den Feldern mehr gesegnet. In ganz ähnlicher Weise legt man Weit auf Juniwinde, besonders solche aus nördlichen Richtungen: Wenn die Kornhalme in der Blüte sind, so ist gut für sie der Wind, Durch Juniwind aus Norden ist noch nichts verdorben worden. Wenn im Juni Nordwind weht, das Korn zur Ernte trefflich steht. Nordwind im Brachmonat  bringt Korn in 's Land. Nordwinde im Juni weben Korn und Wein in's Land herein. Im Juni wird des Nordwinds Horn noch nichts verderben an dem Korn. Dabei werden allerdings einige Vorbehalte und kritische Anmerkungen deutlich, und es nimmt nicht wunder, daß Winzer und Imker Bedenken anmelden: Nordwind, der im Juni webt, nicht in bestem Rufe steht; kommt er an mit kühlem Gruß, bald Gewitter folgen muß. Wenn im Juni Nordwind webt, kommt Gewitter oft recht spät. Wenn Nordwind weht im Junius, gar bald Gewitter folgen muß. Im Juni viel Donner, macht einen trüben Sommer. Menschen und Juniwind ändern sich geschwind. Ist's im Juni allzu naß, sofind't man schnell den Boden im Faß. Im Juni viel Regen, kommt Weinbergen und Bienen ungelegen. Kalter Juniregen bringt Wein und Honig keinen Segen. Wenn naß und kalt der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr. Betreffs der Fauna im Juni unterscheidet man zwischen Schön- und Schlechtwetterboten. So heißt es zu ersteren: Ameisen und Spinnen auf allen Pfaden, dann wird das Wetter gut geraten. Steigt die Lerche hoch, singt lange hochoben, haben wir das lieblichste Wetter zu loben. Fliegen die Fledermäuse abends umher, kommt anhaltend schönes Wetter her. Wenn Johanniswürmchen glänzen, dann darfst bereiten du die Sensen; verbirgt sich das Tierchen bis Johanni und weiter, wird's Wetter einstweilen nicht warm und nicht heiter. Im Gegensatz dazu: Kommen die Bienen nicht heraus, ist's mit dem schönen Wetter aus. Wenn die Wachteln fleißig schlagen, singen sie von Regentagen. Ein Gewitter wird losbrechen, wenn die Bremsen stärker stechen. Schreien und puddeln die Gans' und Enten, wird sich das Wetter zum Regen wenden. Schließen wir die allgemeinen Aussagen zum Juni ab mit einem Blick auf Hinweise, die weithin bekanntes Regelverhalten, die gegenseitige Abhängigkeiten deutlich machen: Tritt eine Sonnenfinsternis ein, wenn das Getreide blüht, so sind wenig Körner und daher Teuerung zu erwarten. Gerät der Kohl, verdirbt das Heu. Sind die Nesseln reich im Jahr, ist. auch das fette Korn nicht rar. Wenn die Bohnen üppig geraten, wachsen auch die ander'n Saaten. Wenn wir uns nun den Lostagen, des Juni? zuwenden, so bedarf es wohl eigentlich keines besonderen Hinweises mehr darauf, daß der volkstümlichste aller Lostages des Jahres, der Siebenschläfertag, in diesen Monat fällt. Aufmerksam und argwöhnisch beobachten ihn nicht nur Bauern und Gärtner, die aus naheliegenden Gründen auf günstiges Erntewetter hoffen, sondern auch alle jene, die ihren Urlaub in der Sommersaison antreten möchten. Wenn auch ein jeder schon die Erfahrung gemacht hat, daß durchaus nicht jeder verregnete 27. Juni sieben Wochen Regen im Gefolge hatte, so ist es doch zumindest beruhigend, wenn der Wetterbericht für diesen Tag ein ausgedehntes ..Hoch" ankündigen kann; denn immerhin ist das ein besseres Zeichen, als wenn gerade um diese Zeit ein Regentief das andere ablöst. Wollen wir aber nicht vorgreifen und uns auch im Juni einer chronologischen Reihenfolge der Lostage und ihrer Deutungen befleißigen, zumal es auch diesmal wieder einige gibt, auf die nicht wenige der Bauernregeln Bezug nehmen. Da wäre gleich als erster der St. Medardus-Tag (8. Juni). Hier wird uns zunächst recht glaubhaft versichert: Medard' bringt keinen Frost mehr her, der dem Weinstock schädlich wär'. Wie's wittert am Medardustag, so bleibt's sechs Wochen lang darnach. St. Medard' kein' Regen trag', es regnet sonst wohl 40 Tag' und mehr, wer's glauben mag. An St. Medard' wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht. Macht Medardus naß so regnet's ohn' Unterlaß. Wie 's Wetter zu Medardi fällt, es bis zu Mondes Schluß anhält. Wie's Wetter zu Medardi hält, solch Wetter in die Ernte fällt. Wenn 's an Medardi regnet, gibt's einen nassen Sommer. Ist 's auf Medardi klar, wird der Flachs wie ein Haar. Für die um diese Zeit bevorstehende Heumahd und -ernte ist der 10, Juni, der Jahrestag der „Wetterfrau" Margarete, von besonderer Bedeutung: Regnet's am Margaretentage, dauert der Regen 14 Tage. Hat Margarit keinen Sonnenschein, so kommt das Heu nie trocken ein. Für die Mahd selbst wird einhellig St. Bamabas (11. Juni) favorisiert: St. Barnabas schneidet das Gras. St. Barnabas nimmer die Sichel vergaß, hat den längsten Tag und das längste Gras. Bring die Sichel mit: Barnabas bat längsten Tag und längstes Gras. Im Gegensatz zum „längsten Tag" ist „längstes Gras" wohl zutreffend: Zu beachten aber auch: Regnet's an St. Barnabas, schwimmen die Trauben bis in 's Faß. Da in die erste Hälfte des Juni in der Regel auch Dreifaltigkeitssonntag fällt (l. Sonntag nach Pfingsten), sei hier sogleich auf dessen Bedeutung hingewiesen: .Regnet's an Dreifaltigkeit, regnet's jeden Sonntag in der Sommerzeit. Hoffen wir, daß diese Regel keinen unbedingten Anspruch auf Wörtlichkeit haben möge, und wünschen wir uns auch für den darauffolgenden Donnerstag, auf den das Fronleichnamsfest fällt, schönes und klares Wetter: Wie Fronleichnam, so viele Tage nachher. Ist Corporis Christi klar, bringt es uns ein gutes Jahr. St. Vitus (15. Juni) ist der nächste Kalenderheilige, um den sich einige Sprüche ranken: St. Veit bringt den Regen mit! St. Vit bringt Regen und Fliegen mit! Regen am St. Vitus-Tag die Gerste nicht vertragen mag. 0 beil'ger Veit, o regne nicht, daß es uns nicht an Gerst.' gebricht. Regen am Vitus-Tag bringt ein fruchtbares Jahr; nur die Gerste leidet Schaden. Hat vor St. Vit der Wein abgeblüht,so bringt er ein gutes Weinjahr mit. Nachdem mit dem Beginn des Monats Juni der meteorologische und mit dem Einsetzen der Blüte der Sommerlinde der phänologische Frühling zu Ende gegangen sind, brechen nach St. Vitus auch die letzten Tage des astronomischen Frühlings an: Nach St. Veit ändert sich die Zeit: alles geht auf die andere Seit'; da fängt das Laub zu. stehen an, da haben die Vögel das Legen getan. Auffallend sind die in unseren Breiten in den milderen Tagen des Juni auftretenden Kälterückfälle, die zwar im allgemeinen nicht zu Nachtfrösten führen, sich aber doch mit empfindlich niedrigen Temperaturen bemerkbar machen können. Es handelt sich dabei um die sogenannte „Schafskälte", deren Ursachen monsunartige Erscheinungen sind, ähnlich denen, die uns Mitte Mai die „Eisheiligen" bescherten. Die um diese Zeit üblicherweise stattfindendende Schur der Schafe stand bei der Namensgebung dieser Abkühlungsperiode Pate. Was die ihres warmen Fells beraubten Tiere anbelangt, so sind sie natürlich völlig unschuldig an der Kälte. Eigentümlicherweise nehmen die Bauernregeln auf die Schafskälte keinen unmittelbaren Bezug. Wohl aber deuten die Regen-Sprüche zu St. Vitus und auch die zu St. Johannis mittelbar darauf hin. Wenn auch bereits am 21. bzw. 22. Juni die Sonne den Sommerpunkt erreichte, so verbindet sich doch auch heute noch weithin mit dem St. Johannis-Tag (24. Juni) der Begriff der Sommersonnenwende. Einst wurde dieser Tag mit auf den Höhen angezündeten Holzfeuern und anderen landschaftsgebundenen Bräuchen festlich begangen, und zahlreich sind auch die Bauernregeln, die sich auf diesen Tag beziehen. Vor Johanni bitt' um Regen, nachher kommt er ungelegen. Was es vor Johannis regnet, kommt dem Bauer in den Sack; was es nachher regnet, kommt wieder heraus. Vor Johanni müssen die Priester um Regen bitten, nach Johanni kann man's selber. Tritt auf Johanni Regen ein, so kann der Nußwachs nicht gedeih'n. Regen am Johannistag, nasse Ernte man erwarten mag. Johannisregen bringt keinen Segen. Vor St. Johannistag man Gerst' und Hafer nicht loben mag. Was in die Halme wächst, kann nicht in's Korn wachsen. Wenn die Nacht zu längen beginnt, dann die Hitze am meisten zunimmt. Was im Juni nicht wächst, gehört in den Ofen. Die Bienen, die vorjobanni schwärmen, sind besser als die nach Johanni. Wenn der Kuckuck nach Jobanni schreit, so ruft er Mißwachs und teure Zeit. Wenn der Gauch (Kuckuck) nach Johanni singt, er einen nassen Herbst uns bringt. Soviel Tage der Kuckuck nach Johanni ruft, soviel Groschen wird der Roggen kosten. Wieviel Tage der Kuckuck nach Johanni schreit, soviel Tage. kommt nach Michaeli (29. September) keine Kälte. Nach soviel Unerfreulichem zum Johannistag dürfen wir uns bei der nächsten Aussage immerhin ein Schmunzeln leisten: Ist's an St.Johannis heiter, gibt's viele Haselnüsse, und die Wiegen werden im nächsten Jahr teuer. Am nun folgenden vielzitierten und vielumstrittenen Siebenschläfer (27. Juni) heißt es kurz und bündig: Regnet's am Siebenschläfertag, so regnet's noch sieben Wochen darnach. Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, regnet's sieben Wochen. Diese Aussage steht nicht allein. Eine weniger bekannte, aber auf den gleichen Zeitraum bezogene Regel findet sich am Johannistag, der ehemals als Tag der Sommersonnenwende galt: Wie's Wetter an Johanni war, so bleibt's wohl 40 Tage gar. Vier Tage vor und nach der Sonnenwende zeigen das herrschende Wetter bis nach Michaelis. Zwei Tage nach dem Siebenschläfer, auf den 29. Juni, fällt der Jahrestag der Apostel Petrus und Paulus. Schön zu St. Paul, füllt Taschen und Maul. Am Peterstag, da heckt der Has', da jungt die Kuh, da legt das Huhn, da kriegt die Hausfrau viel zu tun. Zu Peter und Paul wird dem Köm die Wurzel faul. Peter und Paul bricht dem Köm die Wurzel; es reiß Tag und Nacht, und in 14 Tagen ist die Ernte. Ist's an Peter-Pauli klar, so hoffe auf ein gutes Jahr. Regnet's am St. Peterstage, drohen 30 Regentage. Regen an Peter und Paul, ist es 30 Tage faul. Abgesehen von den unterschiedlichen Zeitspannen, für die von den verschiedenen Stichtagen aus hier Wetterprognosen gestellt werden, wird doch als rationaler Kern all dieser Aussagen erkennbar: Die Wetterlage im letzten Drittel des Monats Juni und - wie wir noch erfahren werden - die des ersten Drittels des Monats Juli prägt offenbar bestimmend den Charakter des Sommers. Diese Erkenntnis wird durch Beobachtungen des Witterungslaufes der folgenden Wochen auch allgemein bestätigt. Dabei scheint allerdings der Regel des Siebenschläfertages doch eine vorrangige Bedeutung zuzukommen, vor allem was die Zeitspanne anbelangt, die dabei erfaßt wird. Ist es doch tatsächlich sehr oft so, daß die bis zum 15. August vorherrschende Wetterlage dann eine auffallende Veränderung erfährt und nicht selten in's ausgesprochene Gegenteil umschlägt. In diesem Zusammenhang noch eine ergänzende Klarstellung: Regnet es tatsächlich am und um den Siebenschläfertag, dann bedeutet dies nicht, daß der Regen sieben Wochen ununterbrochen und in gleicher Stärke anhält, ebensowenig wie ein schöner Siebenschläfer sieben Wochen unveränderten Hochdmckeinfluß im Gefolge hätte. „Sieben Wochen Regen" besagt im Prinzip, daß an jedem Tag dieses Zeitraumes Regen zu erwarten ist, und seien es auch nur wenige Tropfen. Selbstverständlich kann es dabei auch noch Ausnahmen geben, denn bekanntlich bestätigen Ausnahmen die Regel. Betrachten wir die Siebenschläfer-Prognose in diesem Sinne, dann kommen wir den tatsächlichen Gegebenheiten nahe und werden kaum mit Enttäuschungen zu rechnen haben. Haben wir den Verlauf des Juniwetters aufmerksam verfolgt, so können wir uns gegen Jahresende vergewissern, wie es um den Wahrheitsgehalt nachstehender Prognosen bestellt ist: So beiß es im Juni, so kalt im Dezember; so naß oder trocken im Juni, so naß oder trocken im Dezember. Stellt der Juni mild sich ein, wird mild auch der Dezember sein.
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